Was macht eine Fachkraft Rechtsangelegenheiten in der Familienkasse?
Die Familienkasse, in Deutschland überwiegend Teil der Bundesagentur für Arbeit, zahlt Kindergeld und Kinderzuschlag aus. Lehnt sie einen Antrag ab, fordert sie Geld zurück oder hebt eine Festsetzung auf, können Betroffene Einspruch einlegen. Diese Einsprüche landen bei den Fachkräften für Rechtsangelegenheiten. Sie prüfen den Fall erneut nach Einkommensteuergesetz, Bundeskindergeldgesetz und Abgabenordnung, werten Ausbildungsnachweise, Meldebescheinigungen oder ausländische Unterlagen aus, fordern fehlende Belege an und entscheiden, ob dem Einspruch abgeholfen wird oder eine Einspruchsentscheidung ergeht. Diese Entscheidungen werden schriftlich begründet und müssen einer gerichtlichen Prüfung standhalten. Kommt es zur Klage, erstellen sie Klageerwiderungen, führen den Schriftverkehr mit dem Finanzgericht und vertreten die Familienkasse teilweise in der mündlichen Verhandlung. Hinzu kommen Anträge auf Aussetzung der Vollziehung, Stundungen und Erlasse, Akteneinsicht sowie Rückfragen von Anwälten, Steuerberatern und Kolleginnen aus der Leistungssachbearbeitung. Häufige Themen sind Kinder in Ausbildung oder Studium, Fälle mit Auslandsbezug nach europäischem Koordinierungsrecht und Rückforderungen über mehrere Jahre.
Wie wird man Fachkraft Rechtsangelegenheiten?
Einen eigenen Ausbildungsberuf gibt es nicht. Üblich ist eine abgeschlossene kaufmännische oder Verwaltungsausbildung, etwa als Fachangestellte für Arbeitsmarktdienstleistungen, Verwaltungsfachangestellte oder Steuerfachangestellte, oft verbunden mit Berufserfahrung in der Leistungssachbearbeitung. Ein Bachelorstudium in Verwaltung, öffentlichem Recht, Steuerrecht oder an der Hochschule der Bundesagentur für Arbeit öffnet den Zugang ebenso, ein Jurastudium ohne zweites Staatsexamen kann passen. Wer intern aus der Kindergeld-Sachbearbeitung aufsteigt, bringt die Fachpraxis bereits mit. Neue Kräfte durchlaufen eine strukturierte Einarbeitung mit Schulungen zu Einspruchsverfahren, Abgabenordnung und Finanzgerichtsordnung, die sich über mehrere Monate zieht.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeit besteht fast ausschließlich aus Lesen, Prüfen und Formulieren am Bildschirm. Gefragt sind genaues Arbeiten mit Gesetzestexten, Verwaltungsanweisungen und Rechtsprechung sowie die Fähigkeit, eine Entscheidung verständlich und rechtssicher zu begründen. Die Fallzahlen sind hoch, und Gerichte setzen Fristen, die einzuhalten sind. Viele Vorgänge betreffen Familien in finanziell angespannter Lage, Rückforderungen können existenzielle Summen erreichen. Mit verärgerten oder verzweifelten Schreiben umzugehen und trotzdem nach Rechtslage zu entscheiden, fällt nicht jedem leicht. Der Ermessensspielraum ist gering, die Arbeit stark durch Weisungen geregelt. Die Arbeitszeiten sind dafür planbar und richten sich nach Gleitzeitmodellen des öffentlichen Dienstes, Wochenend- oder Schichtarbeit gibt es nicht. Teilzeit ist verbreitet.
Aussichten
Die Familienkassen suchen regelmäßig Personal für den Rechtsbereich, auch weil Fälle mit Auslandsbezug und Rückforderungen zunehmen und viele Beschäftigte in den Ruhestand gehen. Die Stellen sind in der Regel unbefristet oder werden nach einer Probezeit entfristet. Entwicklungsmöglichkeiten bestehen in Richtung Teamleitung, Spezialisierung auf Prozessvertretung oder Auslandsfälle, Tätigkeit als Trainerin in der Einarbeitung oder in Fach- und Steuerungsfunktionen der Zentrale. Mit einem berufsbegleitenden Studium sind höhere Tätigkeitsebenen erreichbar. Wer die Familienkasse verlassen will, findet mit den erworbenen Kenntnissen im Steuer- und Sozialverwaltungsrecht Anschluss in anderen Behörden.