Homeoffice

Wie viel davon geht von zu Hause?

Schriftsätze schreiben, Kostennoten erstellen, Mahn- und Vollstreckungsanträge bearbeiten und Nachrichten über das beA versenden lassen sich mit elektronischer Akte und gesichertem Zugang grundsätzlich von zu Hause erledigen. Empfang, Mandantenbetreuung vor Ort, Telefonzentrale, Bearbeitung der Papierpost und Fristenkontrolle für eingehende Schriftstücke verlangen dagegen meist Anwesenheit. Homeoffice ist in dem Beruf in Teilen üblich geworden. Am ehesten bieten es größere und gut digitalisierte Kanzleien an, meist an einzelnen Tagen und oft erst nach der Einarbeitung. Kleine Kanzleien mit nur einer oder zwei Fachangestellten erwarten häufig weiterhin volle Präsenz. Ganz von zu Hause arbeiten vor allem Kräfte bei externen Schreib- und Sekretariatsdiensten, das ist im Beruf insgesamt die Ausnahme. Wer von zu Hause arbeitet, braucht einen abschließbaren, für Dritte nicht einsehbaren Arbeitsplatz, eine sichere VPN-Verbindung und feste Erreichbarkeitszeiten, weil die Verschwiegenheitspflicht auch am Küchentisch gilt.

Das gilt für den Beruf insgesamt und nicht für jede Stelle. Ob ganz von zu Hause, überwiegend oder an einzelnen Tagen gearbeitet wird, steht in der jeweiligen Anzeige – darauf lohnt sich vor der Bewerbung ein genauer Blick.

Gehalt

Was man als Rechtsanwaltsfachangestellte verdient

Monats- und Jahresbrutto nach Erfahrungsstufe, bundesweit
Erfahrung Von Median Bis Jahresbrutto Verhältnis
Berufseinstieg 2.300 € 2.700 € 3.100 € 32.400 €
Mit Berufserfahrung 2.800 € 3.300 € 3.900 € 39.600 €
Mit langjähriger Erfahrung 3.400 € 4.000 € 5.200 € 48.000 €

Für Rechtsanwaltsfachangestellte gibt es keinen allgemeinen Tarifvertrag. Einige Rechtsanwaltskammern veröffentlichen unverbindliche Gehaltsempfehlungen, die Gehälter werden aber frei verhandelt und hängen vor allem von Größe und Ausrichtung der Kanzlei ab. Große Wirtschaftskanzleien in Frankfurt, München, Hamburg oder Düsseldorf zahlen deutlich mehr als kleine Kanzleien auf dem Land. Die Fortbildung zum Rechtsfachwirt hebt das Gehalt spürbar.

Die Werte sind Orientierungswerte und keine amtliche Statistik. Sie sind aus öffentlich verfügbaren Erhebungen, Tarifwerken und Stellenanzeigen abgeleitet und gerundet. Sie gelten für eine Vollzeitstelle und für den Beruf insgesamt – im Büro wie von zu Hause. In Teilzeit verringert sich das Gehalt im Verhältnis der Stunden.

Das Jahresbrutto ist das 12-Fache des Monatswertes, ohne Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Im Einzelfall entscheiden Arbeitgeber, Tarifbindung, Qualifikation und Verhandlung – die Abweichung nach oben wie nach unten kann erheblich sein.

Gehalt nach Bundesland

Das Berufsbild

Was macht eine Rechtsanwaltsfachangestellte?

Rechtsanwaltsfachangestellte halten den Betrieb einer Kanzlei am Laufen und nehmen Anwältinnen und Anwälten die Verwaltungsarbeit ab. Sie legen neue Akten an, erfassen Mandantendaten und prüfen Interessenkollisionen. Eingehende Post und Nachrichten über das besondere elektronische Anwaltspostfach (beA) sichten sie, tragen Fristen und Termine in den Kalender ein und überwachen sie. Eine versäumte Frist kann für den Mandanten den Prozess kosten und für die Kanzlei einen Haftungsfall bedeuten. Nach Diktat oder Vorlage schreiben sie Schriftsätze und Korrespondenz, versenden sie an Gerichte und Gegenseite und führen die elektronische Akte. Ein großer Teil der Arbeit betrifft das Geld: Sie erstellen Kostennoten nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz, beantragen Kostenfestsetzung, betreiben gerichtliche Mahnverfahren und leiten die Zwangsvollstreckung ein. Dazu kommen Telefonate mit Mandanten, Gerichtsgeschäftsstellen und Rechtsschutzversicherungen. Je nach Kanzlei liegt der Schwerpunkt auf Familienrecht, Arbeitsrecht, Verkehrsrecht, Inkasso oder im Wirtschaftsrecht großer Sozietäten.

Wie wird man Rechtsanwaltsfachangestellte?

Der übliche Weg ist eine dreijährige duale Ausbildung in einer Kanzlei mit Berufsschule. Die Abschlussprüfung wird vor der zuständigen Rechtsanwaltskammer abgelegt. Mit Abitur oder guten Leistungen lässt sich die Ausbildung auf zweieinhalb oder zwei Jahre verkürzen. Ein bestimmter Schulabschluss ist formal nicht vorgeschrieben, die meisten Kanzleien erwarten aber mindestens einen mittleren Abschluss. Quereinsteiger aus anderen Büroberufen werden wegen des Fachkräftemangels zunehmend eingestellt, meist zunächst als Kanzleikraft oder Sekretärin. Für die vollwertige Sachbearbeitung fehlen ihnen jedoch die Kenntnisse in Zivilprozess-, Gebühren- und Vollstreckungsrecht. Einige holen den Abschluss als Externe nach, wenn sie ausreichend Berufspraxis nachweisen.

Was der Beruf verlangt

Die Arbeit verlangt Genauigkeit unter Zeitdruck. Fristen laufen unabhängig davon ab, ob gerade viel zu tun ist. Wer die Fristenkontrolle verantwortet, trägt eine Last, die nicht jedem liegt. In kleinen Kanzleien ist eine Fachangestellte oft allein für Empfang, Telefon, Schreibarbeit und Buchhaltung zuständig. Unterbrechungen gehören dann zum Alltag. In großen Wirtschaftskanzleien sind die Gehälter höher, dafür sind längere Arbeitstage und kurzfristige Eilsachen verbreitet. Der Umgang mit Mandanten in belastenden Lagen wie Scheidung, Kündigung oder Schulden erfordert Geduld und Diskretion. Die Verschwiegenheitspflicht ist strafbewehrt. Viele Stunden am Bildschirm und das Tippen nach Diktat beanspruchen Augen und Rücken.

Aussichten

Die Nachfrage ist hoch und wird es voraussichtlich bleiben. Die Zahl der Ausbildungsabschlüsse ist seit Jahren rückläufig, und viele Kanzleien finden kaum noch qualifiziertes Personal. Die Digitalisierung durch beA und elektronische Akte verändert die Arbeit, ersetzt sie bisher aber nicht. Routineaufgaben verlagern sich eher zu Software, während Sachbearbeitung und Gebührenrecht wichtiger werden. Wer aufsteigen will, bildet sich zum geprüften Rechtsfachwirt weiter. Mit dieser Fortbildung lassen sich Bürovorsteher- und Leitungsaufgaben übernehmen. Weitere Wege führen in Rechtsabteilungen von Unternehmen, zu Inkassodienstleistern, in Insolvenzverwaltungen oder mit Zusatzqualifikation in ein Notariat.

Aufgaben

  • Fristen und Termine erfassen, überwachen und an Anwälte weiterleiten
  • Schriftsätze und Korrespondenz nach Diktat oder Vorlage erstellen
  • Nachrichten über das besondere elektronische Anwaltspostfach bearbeiten
  • Kostennoten nach dem RVG erstellen und Kostenfestsetzung beantragen
  • Gerichtliche Mahnverfahren und Zwangsvollstreckungen betreiben
  • Akten anlegen, führen und Mandantendaten pflegen
  • Telefonate mit Mandanten, Gerichten und Rechtsschutzversicherungen führen

Voraussetzungen

  • Abgeschlossene Ausbildung als Rechtsanwaltsfachangestellte, alternativ einschlägige Kanzleierfahrung
  • Kenntnisse in Zivilprozessrecht, Gebührenrecht und Zwangsvollstreckung
  • Sicherer Umgang mit Kanzleisoftware wie RA-MICRO oder DATEV Anwalt sowie mit dem beA
  • Sehr gute Rechtschreibung und schnelles, fehlerfreies Schreiben
  • Sorgfalt und Belastbarkeit bei Fristendruck
  • Diskretion und Einhaltung der Verschwiegenheitspflicht

Wo man arbeitet

  • Einzel- und Kleinkanzleien
  • Mittelständische und große Wirtschaftskanzleien
  • Anwaltsnotariate
  • Rechtsabteilungen von Unternehmen
  • Inkassounternehmen
  • Insolvenzverwaltungen

Der Weg in den Beruf

Üblich ist eine dreijährige duale Ausbildung in einer Anwaltskanzlei mit Berufsschule, die mit einer Prüfung vor der Rechtsanwaltskammer abschließt. Bei Abitur oder guten Leistungen ist eine Verkürzung auf zwei bis zweieinhalb Jahre möglich. Mit Berufserfahrung führt die Fortbildung zum geprüften Rechtsfachwirt in Leitungsaufgaben.

Homeoffice-Stellen als Rechtsanwaltsfachangestellte

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