Senior Contract Manager - Energiewirtschaft / Claim Management (m/w/d)
Wir sind aus Überzeugung Pioniere für unsere zukünftige klimaneutrale Energieversorgung und bringen mit innovativen Lösu...
Contract Manager steuern Verträge über ihren gesamten Lebenszyklus: Sie bereiten sie vor, verhandeln mit, überwachen die Einhaltung von Fristen und Pflichten und kümmern sich um Nachträge und Streitfälle. In der Energiewirtschaft geht es oft um Liefer-, Dienstleistungs- und Bauverträge für Netze, Kraftwerke und Erzeugungsanlagen.
Die Prüfung von Vertragsentwürfen, das Pflegen der Vertragsdatenbank, die Fristenkontrolle und ein Großteil der Abstimmungen per Videokonferenz lassen sich von zu Hause erledigen. Anwesenheit verlangen dagegen wichtige Verhandlungstermine, Projektbesprechungen mit Bauleitung und Technik sowie Abnahmen oder Begehungen auf Baustellen und Anlagen, die vor allem in Großprojekten anfallen. In vielen Unternehmen der Energiewirtschaft ist ein hybrides Modell mit zwei bis drei Tagen Homeoffice pro Woche üblich; Stellen, die ganz oder überwiegend von zu Hause ausgeübt werden, sind eher die Ausnahme und finden sich am ehesten bei reiner Vertragsverwaltung oder bei Beratungsunternehmen. Bei kleineren Stadtwerken und Versorgern ist die Präsenzkultur oft stärker ausgeprägt. Da Verträge vertrauliche Preise und Konditionen enthalten, arbeitet man von zu Hause über gesicherte Zugänge und darf Unterlagen nicht unbeaufsichtigt lassen. Vor Vertragsabschlüssen und in Streitfällen wird kurzfristige Erreichbarkeit erwartet, was sich nicht immer mit festen Familienzeiten verträgt.
Das gilt für den Beruf insgesamt und nicht für jede Stelle. Ob ganz von zu Hause, überwiegend oder an einzelnen Tagen gearbeitet wird, steht in der jeweiligen Anzeige – darauf lohnt sich vor der Bewerbung ein genauer Blick.
| Erfahrung | Von | Median | Bis | Jahresbrutto | Verhältnis |
|---|---|---|---|---|---|
| Berufseinstieg | 3.700 € | 4.300 € | 5.200 € | 51.600 € | |
| Mit Berufserfahrung | 4.700 € | 5.600 € | 6.800 € | 67.200 € | |
| Mit langjähriger Erfahrung | 6.000 € | 7.300 € | 9.500 € | 87.600 € |
Am stärksten hängt das Gehalt von der Größe und Art des Arbeitgebers ab: Große Energiekonzerne und Netzbetreiber zahlen nach eigenen Haustarifen oder Branchentarifen der IG BCE beziehungsweise ver.di meist deutlich mehr als kleinere Stadtwerke, die häufig nach dem Tarifvertrag Versorgungsbetriebe (TV-V) vergüten. Volljuristen und Contract Manager mit Verantwortung für internationale Großprojekte liegen am oberen Rand, außertarifliche Verträge mit Bonusanteil sind dort verbreitet.
Die Werte sind Orientierungswerte und keine amtliche Statistik. Sie sind aus öffentlich verfügbaren Erhebungen, Tarifwerken und Stellenanzeigen abgeleitet und gerundet. Sie gelten für eine Vollzeitstelle und für den Beruf insgesamt – im Büro wie von zu Hause. In Teilzeit verringert sich das Gehalt im Verhältnis der Stunden.
Das Jahresbrutto ist das 12-Fache des Monatswertes, ohne Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Im Einzelfall entscheiden Arbeitgeber, Tarifbindung, Qualifikation und Verhandlung – die Abweichung nach oben wie nach unten kann erheblich sein.
Contract Manager sind die Schnittstelle zwischen Rechtsabteilung, Einkauf, Vertrieb und Projektteams. Sie entwerfen Verträge oder prüfen Entwürfe der Gegenseite, gleichen sie mit internen Vorgaben ab und markieren Risiken bei Haftung, Gewährleistung, Vertragsstrafen oder Preisgleitklauseln. Nach dem Abschluss beginnt der größere Teil der Arbeit: Fristen überwachen, Leistungsnachweise und Abnahmen dokumentieren, Änderungswünsche als Nachträge bewerten und verhandeln, Forderungen der Gegenseite abwehren oder eigene Ansprüche durchsetzen. In der Energie- und Wasserversorgung betrifft das etwa Verträge über den Bau von Umspannwerken und Leitungen, Wartungsverträge für Windparks, Stromlieferverträge mit Großkunden, Netzanschlussverträge oder Rahmenverträge mit Dienstleistern. Bei Stadtwerken und anderen Sektorenauftraggebern kommt das Vergaberecht hinzu. Ein großer Teil des Tages besteht aus Abstimmungen: mit Projektleitern über den Baufortschritt, mit Juristen über Formulierungen, mit Lieferanten über strittige Rechnungen.
Einen geregelten Ausbildungsweg gibt es nicht. Üblich ist ein Studium der Rechtswissenschaften, des Wirtschaftsrechts, der Betriebswirtschaft oder des Wirtschaftsingenieurwesens. In technisch geprägten Bereichen wie dem Anlagen- und Netzbau sind auch Ingenieure gefragt, die sich das Vertragsrecht berufsbegleitend angeeignet haben. Quereinsteiger kommen häufig aus dem Einkauf, dem Projektmanagement oder als Rechtsfachwirte und Kaufleute mit langjähriger Erfahrung in der Vertragsabwicklung. Zertifikatslehrgänge zu Vertrags- und Claim-Management oder Weiterbildungen zum FIDIC-Vertragswerk erleichtern den Einstieg, ersetzen aber keine Praxiserfahrung. Verhandlungssicheres Englisch wird in internationalen Projekten vorausgesetzt.
Die Arbeit verlangt Genauigkeit über lange Dokumente hinweg: Ein übersehener Haftungsausschluss oder eine verpasste Rügefrist kann sechs- bis siebenstellige Beträge kosten. Contract Manager stehen oft zwischen den Interessen des eigenen Projektteams, das schnell vorankommen will, und denen der Rechtsabteilung, die Risiken begrenzen möchte. Verhandlungen über Nachträge und Mängel sind häufig konfliktgeladen und ziehen sich über Monate. Vor Vertragsabschlüssen, bei Ausschreibungsfristen oder in Streitfällen entsteht Termindruck, dann wird auch länger gearbeitet. In Großprojekten sind Dienstreisen zu Baustellen, Lieferanten oder Partnern im Ausland üblich, bei regionalen Versorgern deutlich seltener. Wer gern abschließend an einer Sache arbeitet, tut sich schwer, denn viele Vorgänge laufen parallel und über Jahre.
Die Nachfrage ist in der Energiewirtschaft hoch. Der Ausbau von Stromnetzen, erneuerbaren Energien, Wärmenetzen und Speichern erzeugt viele große, langlaufende Verträge mit hohem Streitpotenzial. Auch Netzbetreiber und Stadtwerke bauen eigene Stellen für Vertragsmanagement auf, weil die Zahl der Vergabeverfahren steigt. Erfahrene Contract Manager können ein Team leiten, in das Claim-Management großer Projekte wechseln, die Leitung des Einkaufs übernehmen oder sich als Berater selbstständig machen. Software für Vertragsverwaltung nimmt Routine wie Fristenkontrolle ab, die Bewertung und Verhandlung bleiben aber Aufgabe der Fachleute.
Üblich ist ein abgeschlossenes Bachelor- oder Masterstudium von drei bis fünf Jahren in Recht, Wirtschaft oder Ingenieurwesen, gefolgt von einigen Jahren Praxis in Einkauf, Projektabwicklung oder Rechtsabteilung. Eine geschützte Berufsbezeichnung gibt es nicht; berufsbegleitende Zertifikatslehrgänge im Vertrags- und Claim-Management dauern meist wenige Wochen bis einige Monate.
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