Homeoffice

Wie viel davon geht von zu Hause?

Literaturrecherche, das Schreiben von Artikeln und Anträgen, Datenauswertung, Programmierarbeit und ein Teil der Korrespondenz lassen sich gut von zu Hause erledigen. Labor- und Feldarbeit, Präsenzlehre, Sprechstunden, Prüfungen und die Arbeit mit Geräten, Archivbeständen oder vertraulichen Daten im geschützten Netz verlangen dagegen Anwesenheit. Viele Hochschulen und Forschungseinrichtungen haben seit einigen Jahren Dienstvereinbarungen zur mobilen Arbeit. Üblich ist danach Homeoffice an einzelnen Tagen, oft ein bis drei Tage pro Woche, je nach Lehrstuhl und Vorgesetzten. In den Geistes-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften sowie in rechnergestützten Fächern ist überwiegendes Arbeiten von zu Hause eher möglich als in experimentellen Fächern, wo es die Ausnahme bleibt. Ganz ohne Präsenz kommen nur wenige Stellen aus, etwa in einzelnen Datenauswertungs- oder Redaktionsprojekten. Wer von zu Hause arbeitet, braucht in der Regel einen VPN-Zugang und muss Datenschutzvorgaben für Forschungsdaten einhalten; außerdem wird erwartet, für Lehre, Teamtreffen und Betreuung vor Ort erreichbar zu bleiben.

Das gilt für den Beruf insgesamt und nicht für jede Stelle. Ob ganz von zu Hause, überwiegend oder an einzelnen Tagen gearbeitet wird, steht in der jeweiligen Anzeige – darauf lohnt sich vor der Bewerbung ein genauer Blick.

Gehalt

Was man als Wissenschaftliche Mitarbeiter verdient

Monats- und Jahresbrutto nach Erfahrungsstufe, bundesweit
Erfahrung Von Median Bis Jahresbrutto Verhältnis
Berufseinstieg 4.300 € 4.700 € 5.300 € 56.400 €
Mit Berufserfahrung 5.000 € 5.500 € 6.500 € 66.000 €
Mit langjähriger Erfahrung 5.800 € 6.400 € 7.800 € 76.800 €

An Hochschulen und öffentlichen Forschungseinrichtungen wird nach TV-L oder TVöD bezahlt, meist in Entgeltgruppe 13, mit Leitungsaufgaben in E14 oder E15; das Gehalt steigt dann vor allem mit den Erfahrungsstufen, die Spanne ist eng. Das tatsächliche Einkommen hängt aber stark vom Stellenumfang ab, da Promotionsstellen oft nur 50 bis 75 Prozent umfassen, während in der Industrieforschung frei verhandelt und teils deutlich mehr gezahlt wird.

Die Werte sind Orientierungswerte und keine amtliche Statistik. Sie sind aus öffentlich verfügbaren Erhebungen, Tarifwerken und Stellenanzeigen abgeleitet und gerundet. Sie gelten für eine Vollzeitstelle und für den Beruf insgesamt – im Büro wie von zu Hause. In Teilzeit verringert sich das Gehalt im Verhältnis der Stunden.

Das Jahresbrutto ist das 12-Fache des Monatswertes, ohne Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Im Einzelfall entscheiden Arbeitgeber, Tarifbindung, Qualifikation und Verhandlung – die Abweichung nach oben wie nach unten kann erheblich sein.

Gehalt nach Bundesland

Das Berufsbild

Was machen Wissenschaftliche Mitarbeiter?

Der Alltag hängt stark vom Fach und vom Arbeitgeber ab. An Universitäten arbeiten Wissenschaftliche Mitarbeiter meist an einem Lehrstuhl oder in einem drittmittelfinanzierten Projekt. Sie recherchieren Literatur, planen Studien, erheben Daten im Labor, im Feld oder über Befragungen und werten sie statistisch aus. Daraus schreiben sie Fachartikel und Projektberichte und tragen die Ergebnisse auf Tagungen vor. Hinzu kommen Seminare und Übungen, die Betreuung von Abschlussarbeiten, Korrekturen und Prüfungsaufsicht. Ein erheblicher Teil der Zeit geht in Verwaltung: Anträge für Fördermittel vorbereiten, Ethikanträge stellen, Projektpartner koordinieren, Abrechnungen und Zwischenberichte für Geldgeber erstellen. An außeruniversitären Instituten wie Max-Planck-, Fraunhofer-, Helmholtz- oder Leibniz-Einrichtungen entfällt die Lehre meist ganz oder weitgehend. Bei Fraunhofer und in Unternehmen steht dagegen oft die Auftragsforschung für die Industrie im Vordergrund. In Behörden und Ressortforschungseinrichtungen erstellen Wissenschaftliche Mitarbeiter Gutachten, Stellungnahmen und Datenauswertungen für Politik und Verwaltung.

Wie wird man Wissenschaftlicher Mitarbeiter?

Voraussetzung ist fast immer ein abgeschlossenes Hochschulstudium mit Master, Diplom oder Staatsexamen in einem passenden Fach. Viele Stellen sind ausdrücklich für Promovierende gedacht. Die Promotion entsteht dann parallel zur Projektarbeit und dauert in der Regel drei bis sechs Jahre. Nach der Promotion folgen Postdoc-Stellen, die ebenfalls unter dieser Bezeichnung ausgeschrieben werden. Wer schon während des Studiums als studentische oder wissenschaftliche Hilfskraft gearbeitet hat, hat bessere Chancen, denn viele Stellen werden über persönliche Kontakte am Lehrstuhl besetzt. Ein Quereinstieg aus der Praxis ist vor allem an Fachhochschulen, in der angewandten Forschung und in Behörden möglich. Dort zählt Berufserfahrung in der Branche oft so viel wie die Forschungserfahrung.

Was der Beruf verlangt

Die größte Belastung ist die Unsicherheit. Die meisten Verträge sind nach dem Wissenschaftszeitvertragsgesetz befristet, häufig auf zwei bis drei Jahre, manchmal kürzer. Daraus folgen Kettenverträge, Umzüge und lange Phasen ohne Planungssicherheit. Promotionsstellen sind oft als Teilzeitstellen mit 50 bis 75 Prozent ausgeschrieben. Tatsächlich wird aber häufig mehr gearbeitet, weil die eigene Qualifikation in die Freizeit wandert. Termindruck entsteht durch Antragsfristen, Projektabschlüsse und Einreichungen bei Fachzeitschriften. Abgelehnte Artikel und Anträge gehören zum Alltag und verlangen eine hohe Frustrationstoleranz. Die Abhängigkeit von der betreuenden Professorin oder dem Professor ist groß, denn sie oder er ist oft zugleich Vorgesetzter und Gutachter. Gefragt sind Selbstorganisation, gutes wissenschaftliches Englisch und die Bereitschaft, sich in Methoden und Software einzuarbeiten. Laborfächer bringen feste Versuchszeiten, Schichtdienst an Großgeräten oder Arbeit am Wochenende mit sich, wenn Experimente laufen.

Aussichten

Stellen gibt es viele, weil Drittmittelprojekte laufend Personal brauchen. Dauerhafte Positionen in der Wissenschaft sind dagegen knapp: Nur ein kleiner Teil der Promovierten erhält eine Professur oder eine unbefristete Stelle im Mittelbau. Die meisten wechseln nach einigen Jahren in die Wirtschaft, in Behörden, Verbände, die Wissenschaftsverwaltung oder das Forschungsmanagement. Promotion und Projekterfahrung werden dort in vielen Bereichen geschätzt. In den Natur- und Ingenieurwissenschaften sowie in der Informatik ist der Wechsel in die Industrie meist einfacher als in den Geisteswissenschaften. Innerhalb der Wissenschaft führen Habilitation, Juniorprofessur oder Nachwuchsgruppenleitung weiter, an Fachhochschulen eine Professur nach Praxisjahren.

Aufgaben

  • Literatur recherchieren und den Forschungsstand aufarbeiten
  • Studien und Experimente planen, durchführen und dokumentieren
  • Daten mit Statistik- oder Analysesoftware auswerten
  • Fachartikel, Projektberichte und Förderanträge schreiben
  • Seminare und Übungen halten sowie Abschlussarbeiten betreuen
  • Ergebnisse auf Fachtagungen vorstellen
  • Projektpartner koordinieren und Mittel für Drittmittelgeber abrechnen

Voraussetzungen

  • Abgeschlossenes Hochschulstudium mit Master, Diplom oder Staatsexamen, oft mit guter Abschlussnote
  • Für Postdoc-Stellen eine abgeschlossene Promotion
  • Sicheres wissenschaftliches Englisch in Wort und Schrift
  • Methodenkenntnisse des Fachs, etwa Statistik, Labortechniken oder Programmierung
  • Selbstorganisation und Ausdauer bei langen Projekten
  • Bereitschaft zu befristeten Verträgen und gelegentlichen Dienstreisen

Wo man arbeitet

  • Universitäten
  • Fachhochschulen und Hochschulen für angewandte Wissenschaften
  • Außeruniversitäre Forschungsinstitute
  • Bundes- und Landesbehörden mit Forschungsaufgaben
  • Forschungsabteilungen von Unternehmen
  • Universitätskliniken

Der Weg in den Beruf

Üblich ist ein fünfjähriges Hochschulstudium mit Bachelor und Master oder ein gleichwertiger Abschluss. Viele steigen direkt danach auf einer Promotionsstelle ein, die meist drei bis sechs Jahre läuft und mit dem Doktortitel abschließt. Eine eigene Berufsausbildung für diese Tätigkeit gibt es nicht.

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