Senior-Risikocontroller (m/w/d)
M.M.Warburg & CO ist eine unabhängige Privatbank mit Hauptsitz in Hamburg und weiteren Standorten in ganz Deutschland. D...
Risikocontroller messen, überwachen und berichten die Risiken eines Unternehmens, meist einer Bank oder Versicherung: Kreditausfälle, Zins- und Marktpreisschwankungen, Liquiditätsengpässe und operationelle Schäden. Sie liefern Vorstand und Aufsicht die Zahlen, auf deren Grundlage Limits gesetzt und Kapital vorgehalten wird.
Ein großer Teil der Tätigkeit – Berechnungen, Datenauswertungen, Modellpflege, Berichte schreiben – lässt sich technisch von zu Hause erledigen, sofern der Arbeitgeber einen gesicherten Zugang zu den Bankensystemen bereitstellt. In Banken und Versicherungen ist mobiles Arbeiten an einzelnen Tagen inzwischen in vielen Häusern üblich, häufig an zwei bis drei Tagen pro Woche auf Grundlage einer Betriebsvereinbarung; eine Stelle, die ganz oder überwiegend von zu Hause ausgeübt wird, ist dagegen die Ausnahme und kommt am ehesten bei Beratungen, Softwareanbietern oder großen Instituten mit verteilten Teams vor. Anwesenheit verlangen in der Regel die Einarbeitung, Gremiensitzungen, Termine mit Vorstand, Revision oder Aufsicht sowie die heißen Phasen zu Quartalsstichtagen und Prüfungen, bei kleinen Sparkassen und Genossenschaftsbanken ist die Präsenzkultur oft noch stärker. Wer von zu Hause arbeitet, muss mit strengen Vorgaben zu Datenschutz und Bankgeheimnis rechnen: dienstliche Geräte, VPN, ein abgeschlossener Arbeitsplatz und keine Ausdrucke im privaten Umfeld. Zu Stichtagen wird enge Erreichbarkeit erwartet, weil Rückfragen zu Zahlen kurzfristig geklärt werden müssen.
Das gilt für den Beruf insgesamt und nicht für jede Stelle. Ob ganz von zu Hause, überwiegend oder an einzelnen Tagen gearbeitet wird, steht in der jeweiligen Anzeige – darauf lohnt sich vor der Bewerbung ein genauer Blick.
| Erfahrung | Von | Median | Bis | Jahresbrutto | Verhältnis |
|---|---|---|---|---|---|
| Berufseinstieg | 4.000 € | 4.700 € | 5.600 € | 56.400 € | |
| Mit Berufserfahrung | 5.200 € | 6.200 € | 7.500 € | 74.400 € | |
| Mit langjähriger Erfahrung | 6.800 € | 8.200 € | 10.500 € | 98.400 € |
Je nach Institut gelten der Tarifvertrag für das private Bankgewerbe und die öffentlichen Banken, der TVöD-Sparkassen oder der Tarifvertrag für die Volksbanken und Raiffeisenbanken, erfahrene Risikocontroller werden jedoch häufig außertariflich bezahlt. Am stärksten hängt das Gehalt von der Größe des Instituts und der Spezialisierung ab: Großbanken und Landesbanken zahlen für quantitative Modellierung und Validierung deutlich mehr als kleine Regionalinstitute.
Die Werte sind Orientierungswerte und keine amtliche Statistik. Sie sind aus öffentlich verfügbaren Erhebungen, Tarifwerken und Stellenanzeigen abgeleitet und gerundet. Sie gelten für eine Vollzeitstelle und für den Beruf insgesamt – im Büro wie von zu Hause. In Teilzeit verringert sich das Gehalt im Verhältnis der Stunden.
Das Jahresbrutto ist das 12-Fache des Monatswertes, ohne Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Im Einzelfall entscheiden Arbeitgeber, Tarifbindung, Qualifikation und Verhandlung – die Abweichung nach oben wie nach unten kann erheblich sein.
Im Mittelpunkt steht die Frage, ob ein Institut seine Risiken tragen kann. Risikocontroller berechnen Kennzahlen wie den Value at Risk, erwartete Kreditverluste oder Zinsänderungsrisiken im Anlagebuch, prüfen die Einhaltung von Limits und erstellen den regelmäßigen Risikobericht an Vorstand und Aufsichtsrat. Ein großer Teil der Arbeit folgt den Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk) und den europäischen Vorgaben: Risikotragfähigkeitsrechnung, Stresstests, Kapital- und Liquiditätsplanung im Rahmen von ICAAP und ILAAP. Dazu kommen die Pflege und Validierung von Risikomodellen, Datenabfragen aus Kernbanksystemen, Abstimmungen mit Meldewesen, Treasury und Kreditabteilung sowie das Beantworten von Fragen der Bankenaufsicht, der Innenrevision und der Jahresabschlussprüfer. In Sparkassen und Genossenschaftsbanken ist die Arbeit oft breit über alle Risikoarten verteilt, in Großbanken stark auf einzelne Risikoarten oder Modelle spezialisiert.
Der übliche Weg führt über ein Studium der Wirtschaftswissenschaften, Mathematik, Wirtschaftsmathematik, Physik oder Statistik, meist mit Master. Bewerber mit quantitativem Studium werden besonders für Modellierung und Validierung gesucht, Betriebswirte eher für Steuerung und Berichtswesen. In Sparkassen und Volksbanken gibt es zusätzlich den Weg über die Bankausbildung, gefolgt von einer Weiterbildung zum Bankfachwirt oder Bankbetriebswirt und einem internen Wechsel in die Risikosteuerung. Ein Quereinstieg gelingt am ehesten aus dem Meldewesen, dem Treasury, der Wirtschaftsprüfung oder der Bankenberatung. Zertifikate wie der Financial Risk Manager (FRM) sind nicht vorgeschrieben, verbessern aber die Chancen bei größeren Häusern.
Die Arbeit ist von festen Stichtagen geprägt. Zum Monats- und Quartalsende müssen Berichte fristgerecht vorliegen, und wenn Daten fehlerhaft sind, wird es eng. Aufsichtliche Prüfungen, neue Regulierungsvorgaben oder Sonderanfragen der Bankenaufsicht bringen Phasen mit Überstunden. Verlangt wird ein sicherer Umgang mit Excel, SQL und zunehmend Python, R oder SAS, außerdem Geduld mit großen, oft unsauberen Datenbeständen. Wer gern gestaltet, muss akzeptieren, dass viele Vorgaben von außen kommen und ein erheblicher Teil der Arbeit aus Dokumentation besteht. Schwierig kann die Rolle zwischen den Abteilungen sein: Risikocontroller sind unabhängig vom Handel und Vertrieb und müssen dort auch unbequeme Ergebnisse vertreten. Fehler in Berichten können aufsichtliche Folgen haben, die Verantwortung ist entsprechend spürbar.
Die Nachfrage ist stabil bis gut, weil die Regulierung nicht weniger wird und Fachkräfte mit Modell- und Datenkenntnissen knapp sind. Neue Themen wie Nachhaltigkeitsrisiken, IT- und Cyberrisiken nach DORA sowie die Automatisierung von Berichten schaffen zusätzliche Stellen. Gleichzeitig führt die Fusion kleiner Institute dazu, dass Abteilungen zusammengelegt werden. Entwicklungswege führen zur Teamleitung oder Abteilungsleitung Risikocontrolling, in die Gesamtbanksteuerung, in die Modellvalidierung, zur Aufsicht bei Bundesbank oder BaFin oder in die Beratung und Wirtschaftsprüfung. In kleineren Instituten ist die Leitung des Risikocontrollings oft mit der Funktion der Risikocontrolling-Funktion nach MaRisk verbunden und damit eine sichtbare Position mit direktem Kontakt zum Vorstand.
Üblich ist ein Bachelor- und meist auch ein Masterstudium in Wirtschaftswissenschaften, Mathematik oder einem verwandten Fach, zusammen fünf Jahre. In Sparkassen und Genossenschaftsbanken führt auch eine zweieinhalb- bis dreijährige Bankausbildung mit anschließender berufsbegleitender Weiterbildung zum Bankfachwirt oder Bankbetriebswirt in den Beruf.
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