Rechtsanwaltsfachangestellte/n (m/w/d)
HEUBLEIN GRAU Rechtsanwälte berät Unternehmen, Gesellschafter und Organe in wirtschaftlich herausfordernden Situationen....
Rechtsanwaltsfachangestellte organisieren das Büro einer Anwaltskanzlei: Sie führen Akten und Fristen, schreiben Schriftsätze, rechnen Mandate nach dem Gebührenrecht ab und betreiben Mahn- und Vollstreckungsverfahren.
Viele Aufgaben lassen sich seit der Einführung von beA und elektronischer Akte von zu Hause erledigen, etwa Schriftsätze nach Diktat schreiben, Kostennoten erstellen, Mahn- und Vollstreckungsanträge vorbereiten und Fristen pflegen, sofern die Kanzlei vollständig digital arbeitet. Anwesenheit verlangen dagegen der Empfang von Mandanten, Papierpost und Originalunterlagen, Vollmachten zur Unterschrift, der Telefondienst in vielen kleineren Kanzleien sowie die Einarbeitung und Ausbildung. Homeoffice ist im Beruf in Teilen üblich, meist an einzelnen Tagen pro Woche und häufig erst nach der Einarbeitung; überwiegend oder ganz von zu Hause arbeiten vor allem Kräfte in Schreibdiensten, in der Gebührenabrechnung oder bei Dienstleistern für Kanzleien, und das ist eher die Ausnahme. In kleinen, noch papiergestützt arbeitenden Kanzleien wird Homeoffice oft gar nicht angeboten. Wer von zu Hause arbeitet, unterliegt derselben Verschwiegenheitspflicht wie im Büro und braucht einen abgeschlossenen Arbeitsplatz, an dem Dritte keine Akten oder Bildschirme einsehen können, dazu einen gesicherten Zugang zur Kanzleisoftware. Bei Fristsachen wird verlässliche Erreichbarkeit zu festen Zeiten erwartet, und die Abstimmung mit Anwälten und Kollegen über Fristen und Prioritäten muss telefonisch oder per Chat eng bleiben.
Das gilt für den Beruf insgesamt und nicht für jede Stelle. Ob ganz von zu Hause, überwiegend oder an einzelnen Tagen gearbeitet wird, steht in der jeweiligen Anzeige – darauf lohnt sich vor der Bewerbung ein genauer Blick.
| Erfahrung | Von | Median | Bis | Jahresbrutto | Verhältnis |
|---|---|---|---|---|---|
| Berufseinstieg | 2.300 € | 2.600 € | 3.000 € | 31.200 € | |
| Mit Berufserfahrung | 2.700 € | 3.100 € | 3.700 € | 37.200 € | |
| Mit langjähriger Erfahrung | 3.300 € | 3.900 € | 4.800 € | 46.800 € |
Es gibt keinen Tarifvertrag, die Gehälter werden frei verhandelt und hängen stark von der Kanzleigröße ab: Große Wirtschaftskanzleien in Großstädten zahlen deutlich mehr als kleine Kanzleien auf dem Land. Die Fortbildung zum Geprüften Rechtsfachwirt und Spezialisierung auf Gebühren- oder Vollstreckungsrecht heben das Gehalt spürbar.
Die Werte sind Orientierungswerte und keine amtliche Statistik. Sie sind aus öffentlich verfügbaren Erhebungen, Tarifwerken und Stellenanzeigen abgeleitet und gerundet. Sie gelten für eine Vollzeitstelle und für den Beruf insgesamt – im Büro wie von zu Hause. In Teilzeit verringert sich das Gehalt im Verhältnis der Stunden.
Das Jahresbrutto ist das 12-Fache des Monatswertes, ohne Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Im Einzelfall entscheiden Arbeitgeber, Tarifbindung, Qualifikation und Verhandlung – die Abweichung nach oben wie nach unten kann erheblich sein.
Rechtsanwaltsfachangestellte halten einer Kanzlei den organisatorischen Teil der Mandatsarbeit ab. Sie legen neue Akten an, prüfen Interessenkollisionen, tragen Fristen und Wiedervorlagen in den Kalender ein und überwachen sie. Schriftsätze entstehen oft nach Diktat oder anhand von Vorlagen, die sie anpassen, formatieren und über das besondere elektronische Anwaltspostfach (beA) an Gerichte senden. Eingehende Post und Nachrichten werden den Akten zugeordnet, Fristen daraus berechnet. Ein großer Teil der Arbeit ist Gebührenrecht: Kostennoten nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz erstellen, Kostenfestsetzungsanträge stellen, Zahlungseingänge buchen. Hinzu kommen gerichtliche Mahnverfahren, Zwangsvollstreckungsaufträge an Gerichtsvollzieher, Terminabsprachen mit Gerichten und Mandanten sowie das Telefon. In kleinen Kanzleien erledigt eine Person alles davon, in großen Einheiten gibt es Spezialisierung auf Sekretariat, Buchhaltung oder Forderungsmanagement.
Der übliche Weg ist die duale Ausbildung von drei Jahren in einer Kanzlei und an der Berufsschule. Zuständige Stelle ist die Rechtsanwaltskammer, vor der auch die Abschlussprüfung abgelegt wird. Mit Abitur oder guten Leistungen lässt sich die Ausbildung verkürzen. Wer ohne Ausbildung, etwa aus einem anderen kaufmännischen Beruf, mehrere Jahre in einer Kanzlei gearbeitet hat, kann als Externer zur Prüfung zugelassen werden. Quereinsteiger finden vor allem im Sekretariat oder Schreibdienst einen Anfang, für Fristenkontrolle und Gebührenrecht verlangen die meisten Kanzleien jedoch den Abschluss. Eine verwandte Ausbildung ist die zur Rechtsanwalts- und Notarfachangestellten, die zusätzlich das Notariat umfasst.
Die Arbeit ist von Fristen bestimmt. Eine versäumte Berufungs- oder Klagefrist kann einen Haftungsfall für die Kanzlei bedeuten, entsprechend hoch ist die Verantwortung bei der Fristenkontrolle. Kurz vor Fristablauf, vor Gerichtsterminen oder bei eiligen Verfügungen entsteht oft Zeitdruck, gelegentlich auch über den Feierabend hinaus. Die Abhängigkeit von den Arbeitsweisen einzelner Anwälte und ein zum Teil rauer Umgangston werden in Erfahrungsberichten häufig als belastend genannt. Mandanten melden sich in schwierigen Lebenslagen, etwa bei Scheidung, Kündigung oder Schulden, und reagieren entsprechend. Verlangt werden Genauigkeit, sicheres Deutsch, Belastbarkeit, strikte Verschwiegenheit und die Bereitschaft, sich in Gesetze und Kanzleisoftware einzuarbeiten. Die Bezahlung gilt im Verhältnis zur Verantwortung vielen als niedrig, was zur Abwanderung in Rechtsabteilungen, Behörden oder andere Büroberufe beiträgt.
Die Zahl der Auszubildenden ist seit Jahren deutlich gesunken, viele Kanzleien suchen lange nach qualifizierten Kräften. Wer den Abschluss und Erfahrung mit beA und elektronischer Akte mitbringt, hat gute Chancen und Verhandlungsspielraum. Die Digitalisierung verändert die Arbeit: Schreibarbeiten nehmen ab, Fristenmanagement, Abrechnung und Mandantenbetreuung gewinnen an Gewicht. Als Aufstieg bietet sich die Fortbildung zum Geprüften Rechtsfachwirt an, die zu Büroleitung oder eigenständiger Sachbearbeitung im Gebühren- und Vollstreckungsrecht führt. Weitere Wege führen in Rechtsabteilungen von Unternehmen, zu Versicherungen, Inkassounternehmen oder in den Justizdienst.
Üblich ist eine duale Ausbildung von drei Jahren in einer Kanzlei mit Abschlussprüfung vor der Rechtsanwaltskammer; mit Abitur ist eine Verkürzung möglich. Wer langjährig ohne Abschluss in einer Kanzlei gearbeitet hat, kann als Externer zur Prüfung zugelassen werden. Als Fortbildung folgt häufig der Geprüfte Rechtsfachwirt.
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