Homeoffice

Wie viel davon geht von zu Hause?

Vorbereitende Arbeiten wie das Auswerten von Praxisunterlagen, das Erstellen von Businessplänen und Finanzierungskonzepten, Bankanfragen und Antragsunterlagen sowie ein Teil der Folgegespräche per Video lassen sich von zu Hause erledigen. Erstberatungen, Vertragsgespräche, Praxisbesichtigungen, Banktermine und Veranstaltungen an Kliniken und Universitäten finden dagegen meist vor Ort statt, sodass Außentermine einen großen Teil der Woche ausmachen können. Ganz von zu Hause arbeitet in diesem Beruf nur eine Minderheit, etwa Spezialisten im Innendienst, die Konzepte für Außendienstkollegen ausarbeiten; verbreiteter ist eine Mischung aus Kundenterminen, Büro und einzelnen Tagen im Homeoffice, wobei selbstständige Vermittler ihre Zeit meist freier einteilen als Angestellte von Banken. Wie groß der Homeoffice-Anteil branchenweit ist, lässt sich mangels belastbarer Zahlen nur grob einschätzen. Wer von zu Hause arbeitet, braucht einen abschließbaren Arbeitsplatz und gesicherten Zugang zu Kundendaten, weil Finanz- und Gesundheitsdaten der Kunden besonders schutzbedürftig sind. Hinzu kommt Erreichbarkeit zu Randzeiten, da Ärzte oft erst abends Zeit für Rückfragen haben.

Das gilt für den Beruf insgesamt und nicht für jede Stelle. Ob ganz von zu Hause, überwiegend oder an einzelnen Tagen gearbeitet wird, steht in der jeweiligen Anzeige – darauf lohnt sich vor der Bewerbung ein genauer Blick.

Gehalt

Was man als Finanzierungsspezialist als Finanzberater für Ärzte verdient

Monats- und Jahresbrutto nach Erfahrungsstufe, bundesweit
Erfahrung Von Median Bis Jahresbrutto Verhältnis
Berufseinstieg 3.400 € 4.200 € 5.200 € 50.400 €
Mit Berufserfahrung 4.400 € 5.600 € 7.500 € 67.200 €
Mit langjähriger Erfahrung 5.800 € 7.500 € 10.500 € 90.000 €

Angestellte bei Banken werden häufig nach dem Tarifvertrag für das private Bankgewerbe und die öffentlichen Banken oder nach dem Tarifvertrag für die Volksbanken und Raiffeisenbanken bezahlt, mit vergleichsweise engen Spannen; bei Finanzvertrieben und in der Selbstständigkeit hängt das Einkommen dagegen stark von Provisionen und Kundenstamm ab und schwankt entsprechend weit nach oben und unten. Reine Innendienststellen, in denen Homeoffice eher möglich ist, liegen tendenziell im unteren Teil der Spanne, während die höchsten Einkommen meist im vertriebsstarken Außendienst erzielt werden.

Die Werte sind Orientierungswerte und keine amtliche Statistik. Sie sind aus öffentlich verfügbaren Erhebungen, Tarifwerken und Stellenanzeigen abgeleitet und gerundet. Sie gelten für eine Vollzeitstelle und für den Beruf insgesamt – im Büro wie von zu Hause. In Teilzeit verringert sich das Gehalt im Verhältnis der Stunden.

Das Jahresbrutto ist das 12-Fache des Monatswertes, ohne Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Im Einzelfall entscheiden Arbeitgeber, Tarifbindung, Qualifikation und Verhandlung – die Abweichung nach oben wie nach unten kann erheblich sein.

Gehalt nach Bundesland

Das Berufsbild

Was macht ein Finanzierungsspezialist für Ärzte?

Im Mittelpunkt steht die Finanzierung ärztlicher Selbstständigkeit. Wer eine Praxis gründet, übernimmt oder in eine Berufsausübungsgemeinschaft einsteigt, braucht oft Kredite im sechs- bis siebenstelligen Bereich. Finanzierungsspezialisten erfassen dafür die Ausgangslage: Kaufpreis, Patientenstamm, Umsätze der abgebenden Praxis, geplante Investitionen in Geräte oder Umbau. Sie erstellen oder prüfen Businesspläne und Rentabilitätsvorschauen, holen Angebote von Banken ein, beziehen Förderprogramme der KfW und der Landesförderbanken ein und begleiten die Kreditanträge bis zur Auszahlung. Hinzu kommen Folgefinanzierungen, etwa für Praxiserweiterungen, Immobilien oder Leasing von Medizintechnik. In vielen Stellen gehört auch die Beratung zu Berufsunfähigkeitsschutz, Praxisversicherungen und Altersvorsorge neben dem ärztlichen Versorgungswerk dazu. Ein beträchtlicher Teil der Arbeit ist Akquise: Kontakte zu Assistenzärzten in Kliniken pflegen, Vorträge an Universitäten und auf Fachveranstaltungen halten, mit Praxisvermittlern, Steuerberatern und Abrechnungsstellen zusammenarbeiten.

Wie wird man Finanzierungsspezialist für Ärzte?

Eine geschützte Berufsbezeichnung gibt es nicht. Üblich ist eine kaufmännische Ausbildung als Bankkaufmann oder Kaufmann für Versicherungen und Finanzanlagen, oft ergänzt durch eine Weiterbildung zum Bankfachwirt oder Fachwirt für Finanzberatung. Auch ein Studium der Betriebswirtschaft, der Finanzwirtschaft oder des Gesundheitsmanagements führt in den Beruf. Wer Immobiliardarlehen, Versicherungen oder Geldanlagen vermittelt, braucht je nach Tätigkeit eine Erlaubnis nach § 34i, § 34d oder § 34f der Gewerbeordnung samt IHK-Sachkundeprüfung. Quereinsteiger aus dem Vertrieb oder aus dem Gesundheitswesen werden von manchen Finanzdienstleistern eingestellt und intern geschult, meist aber mit hohem Anteil erfolgsabhängiger Vergütung. Kenntnisse über Abrechnung mit Kassenärztlichen Vereinigungen, Zulassungsrecht und Praxisbewertung erwirbt man überwiegend im Beruf.

Was der Beruf verlangt

Die Zielgruppe hat wenig Zeit. Beratungstermine liegen deshalb oft am Abend, in der Mittagspause oder am Wochenende, angepasst an Dienstpläne in Kliniken und Sprechzeiten in Praxen. Bei Praxisübernahmen entsteht Termindruck, weil Kaufvertrag, Zulassung und Finanzierungszusage zeitlich zusammenpassen müssen. Wer selbstständig oder überwiegend provisionsbasiert arbeitet, trägt ein schwankendes Einkommen und muss sich einen Kundenstamm erst über Jahre aufbauen; in diesem Teil der Branche ist die Fluktuation hoch. Die Beratung unterliegt umfangreichen Dokumentations- und Haftungspflichten, Fehler in Finanzierungskonzepten können für Kunden existenzielle Folgen haben. Gefragt sind Zahlensicherheit, Verständnis für Bilanzen und betriebswirtschaftliche Auswertungen sowie die Fähigkeit, mit fachlich selbstbewussten Kunden auf Augenhöhe zu sprechen. Reisen zu Kunden, Banken und Veranstaltungen gehören in vielen Stellen regelmäßig dazu.

Aussichten

Die Nachfrage ist stabil. Viele niedergelassene Ärzte erreichen in den kommenden Jahren das Rentenalter, zahlreiche Praxen werden übergeben, und gleichzeitig entstehen größere Strukturen wie Medizinische Versorgungszentren mit eigenem Finanzierungsbedarf. Dem steht gegenüber, dass ein Teil des Nachwuchses lieber angestellt arbeitet, was das Geschäft mit Neugründungen dämpft. Entwicklungswege führen zu größeren Kundengruppen wie Zahnärzten, Apothekern oder Versorgungszentren, in Teamleitungen und regionale Geschäftsstellenleitungen oder in die Selbstständigkeit mit eigenem Beratungsbüro.

Aufgaben

  • Finanzierungsbedarf für Praxisgründungen und Praxisübernahmen ermitteln
  • Businesspläne, Liquiditäts- und Rentabilitätsvorschauen erstellen oder prüfen
  • Kreditangebote von Banken einholen und Förderprogramme einbinden
  • Kreditanträge vorbereiten und bis zur Auszahlung begleiten
  • Investitionen in Medizintechnik, Umbau und Praxisimmobilien finanzieren
  • zu Berufsunfähigkeitsschutz, Praxisversicherungen und Altersvorsorge beraten
  • Beratungsgespräche dokumentieren und regulatorische Pflichten erfüllen
  • Kontakte zu Assistenzärzten, Steuerberatern und Praxisvermittlern pflegen

Voraussetzungen

  • abgeschlossene Ausbildung als Bankkaufmann oder Kaufmann für Versicherungen und Finanzanlagen oder ein wirtschaftswissenschaftliches Studium
  • je nach Tätigkeit Erlaubnis nach § 34i, § 34d oder § 34f GewO mit IHK-Sachkundeprüfung
  • sicherer Umgang mit Bilanzen, betriebswirtschaftlichen Auswertungen und Finanzierungsrechnungen
  • Kenntnisse des Gesundheitswesens, etwa zu Zulassung und Abrechnung mit Kassenärztlichen Vereinigungen
  • Vertriebsstärke und Bereitschaft zu Terminen am Abend oder Wochenende
  • Führerschein und Reisebereitschaft für Außentermine

Wo man arbeitet

  • auf Heilberufe spezialisierte Banken
  • Finanzdienstleister und Finanzvertriebe
  • Firmenkundenabteilungen von Sparkassen und Genossenschaftsbanken
  • Beratungsgesellschaften für Praxisgründung und Praxisabgabe
  • selbstständige Finanzierungs- und Versicherungsvermittlung

Der Weg in den Beruf

Üblich ist eine dreijährige duale Ausbildung als Bankkaufmann oder Kaufmann für Versicherungen und Finanzanlagen, häufig gefolgt von einer berufsbegleitenden Weiterbildung zum Bankfachwirt oder Fachwirt für Finanzberatung, die etwa ein bis zwei Jahre dauert. Alternativ führt ein Bachelorstudium in Betriebswirtschaft oder Finanzwirtschaft von meist drei Jahren in den Beruf. Die Spezialisierung auf Heilberufe erfolgt meist durch Einarbeitung beim Arbeitgeber, für die Vermittlung ist zusätzlich die passende Gewerbeerlaubnis nötig.

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